Kulturhistorischer Rundgang

 

(C. Presche)

 

Geringfügig bearbeitete Fassung der Handreichung;

inhaltliche Auszüge sind als Aufsatz in der Hessischen Heimat erschienen, 55. Jg. (2005), Heft 2, S. 49–55.

Aktualisierungen: April 2010, Dezember 2018.

 

 

 

Wilhelmshöher Platz 5

 

 


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Ansicht um 1900

(Bildarchiv Foto Marburg)

 

 

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Blick vom Friedrichsplatz durch die Königsstraße auf das Haus Wilhelmshöher Platz 5,

rechts das Opernhaus mit dem Opernplatz

(Stich von J. Poppel nach einer Zeichnung von L. Rohbock, nach 1821; Holtmeyer, Tafel 61,1)

 

 


-        Um 1799 für den Regierungsrat Ulrich Friedrich Kopp errichtet, als optischer Abschluss der Königsstraße, vielleicht durch Simon Louis du Ry, der der Schwager von Kopps Vater war. Kopp wurde 1803 zum Geheimen Kabinettsrat ernannt, nachdem er 1802 außerdem schon Direktor des Hofarchivs geworden war. (*)

-        1804 verließ Kopp Kassel und zog nach Heidelberg; vermutlich in diesem Zusammenhang verkaufte er das Haus an den Oberappellationsgerichts-Präsidenten und Geheimen Rat Ludwig Helmuth Heinrich von Jasmund.

-        Im August 1806 von Kurfürst Wilhelm I. angekauft, um Handlungsfreiheit für die Platzgestaltung zu bekommen.

-        Ab April 1807 bis 1809 an den Bankier Carl Jordis vermietet; er war verheiratet mit Ludovica Brentano (Schwester von Clemens Brentano). Das Haus war neben dem Schlösschen Schönfeld, das Jordis etwa zeitgleich gekauft hatte, ein wichtiger Treffpunkt der deutschen Romantik: Bettina von Arnim, Clemens Brentano, Achim von Arnim, Jakob und Wilhelm Grimm. Hier wurde die Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn fertiggestellt.

-        König Jérôme plante an der Stelle des Hauses den Neubau eines Residenzschlosses, wofür Leo Klenze bereits Entwürfe erstellte.

-        1813/14 ging es in kurfürstlichen Besitz über; in den 1820er Jahren Wohnung von Ferdinand Ortlöpp, Bruder der Gräfin Reichenbach, der Geliebten Wilhelms II. Ab den 1830er Jahren war es im Besitz der Frau des letzten Kurfürsten, Gertrud, Gräfin von Schaumburg, Fürstin von Hanau; der zugehörende Park nach ihr Fürstengarten genannt.

-        1847/50–1856 Sitz der kurhessischen Eisenbahn(bau)direktion, 1860-62/63 Wohnung des hess. Generalmajors von Loßberg.

-        Seit 1879 bis zum Abbruch 1910 Eigentum der Stadt; zunächst weiterhin vermietet, ab 1886 von städtischen Ämtern genutzt (ab 1887 Sitz des Stadtbauamtes).

 

(*) Kopps Vater, der Oberappellationsgerichts-Direktor und Geheime Rat Carl Philipp Kopp (Schwager Simon Louis du Rys) starb bereits 1777 und kann somit nicht Bauherr des Hauses sein (freundlicher Hinweis von Herrn Holger Hamecher, 30.11.2018, gemäß Gerland, Kopp, S. 172; vgl. die Casselische Policey- und Commerzien-Zeitung vom 20. Oktober 1777 [42. Stück], S. 626 zu den Begräbnissen vom 8.–14. Oktober). Bei dem 1796 und 1798 als Grundstückseigentümer bezeugten Regierungsrat Kopp (vgl. Holtmeyer, Cassel-Stadt, S. 762, Anm. 2) kann es sich nur um den Regierungsrat Ulrich Friedrich Kopp handeln (vgl. die Landgräflich Hessen-Casselischen Staats- und Adresskalender). – Dessen Bruder Carl Friedrich Kopp dagegen lebte (entgegen der Angabe Gerlands) vor seinem Tod 1837 nicht am Wilhelmshöher Platz, sondern im Haus Friedrichsstraße 81½ (vgl. Adressbücher), heute Friedrichsstraße 25.

 

 

 

Das Wilhelmshöher Tor

 

 


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Entwürfe von Heinrich Christoph Jussow, 1805

(Jussow-Katalog, S. 217)

 

 

Jussow (1754–1825) war kurfürstlicher Oberbaudirektor; nach 1785 hatte er bereits am Wilhelmshöher Schloss mitgewirkt, wo der Mittelbau ab 1791 nach seinen Entwürfen errichtet wurde. Die Umgestaltung des Parks im englischen Stil, zahlreiche Nebengebäude und die Löwenburg stammen ebenfalls von Jussow. Er gilt als einer der führenden Baumeister des Klassizismus in Deutschland.

 

-        Die heutige Wilhelmshöher Allee wurde ab 1767 angelegt, führte im letzten Stück zunächst aber über das Königstor in die Stadt; erst 1776 wurde der Verlauf geradlinig fortgesetzt. Seit 1778 durfte dieses Stück bebaut werden (zunächst Garten- und Sommerhäuser).

-        Kurz nach der Vollendung des Wilhelmshöher Schlosses 1803 began­nen erste Planungen für den Auftakt der Wilhelmshöher Allee. Das endgültige Konzept für Platz und Tor entwickelte Jussow 1805.

-        Für das Tor legte er 3 Alternativen vor: Zwei Varianten als römischer Triumphbogen, unter Rückgriff auf frühere Entwürfe für den Mittelbau des Wilhelmshöher Schlosses, sowie ein griechisches Tor in Anlehnung an das Brandenburger Tor in Berlin. Die Breite der römischen Triumphbogen entspricht etwa der ursprünglichen Straßenbreite. (Ein weiterer Entwurf mit einem dreiachsigen dorischen Tor in der Mitte (MHK., Graphische Sammlung, GS 5865 und 5866, mit weiteren Detailzeichnungen) ist trotz der ausführlichen Vermassung nur als Vorentwurf zu werten, da die Torgebäude noch nicht dem ausgeführten Zustand entsprechen: So schließen die Fenster des 2. OG mit geraden Stürzen, und das Kranzgesims sitzt deutlich niedriger, um sich über den Seitenteilen des Tores fortzusetzen; ob die Portiken auf der Straßenseite in der Aufrisszeichnung nur aus Darstellungsgründen fehlen oder auch erst später in die Planungen aufgenommen wurden, ist unklar – im Lageplan sind sie jedenfalls eingetragen. Allerdings sind die Rundbögen im 2. OG schon am nördlichen Gebäude einskizziert, und in einer Zwischenphase der Planungen wurde diese Änderung dann aufgenommen; das Kranzgesims aber blieb in diesem Entwurf noch in der alten Höhe und erfuhr auch weiterhin seine Fortsetzung am Tor (GS 6249). Erst in den drei oben abgebildeten Entwürfen entsprechen die Seitengebäude dem dann ausgeführten Zustand, indem auch das Kranzgesims angehoben wurde, unter Verzicht auf die anfangs geplante Attika.)

-        Die Torhäuser sollten verputzt und mit einer Quaderung sowie Lorbeerkränzen und Trophäen aus Bronze versehen werden. Die geplante Quaderung ist heute noch an den behauenen Werksteinen neben den Türen erkennbar.

-        Nach der Besetzung Hessens durch Napoleonische Truppen im November 1806 und der Errichtung des Königreichs Westphalen 1807 blieben Tor und Platz unvollendet. Die Bauteile für das eigentliche Tor sollen bereits fertig bearbeitet gewesen sein.

-        Im südlichen Gebäude war die Wache untergebracht, ansonsten war es vermietet oder Sitz verschiedener Behörden, das nördliche diente verschiedenen Zwecken; u.a. wohnten hier im 2. OG 1814–1822 die Brüder Grimm, außerdem Nutzung durch die Oberzolldirektion und die Kommission für Handel und Gewerbe; in preußischer Zeit Provinzial-Schulkollegium.

-        Im Zweiten Weltkrieg brannte das nördliche Gebäude aus, wurde im Äußeren aber wieder hergestellt. Das südliche Gebäude wurde um 1977 für museale Zwecke entkernt und neu ausgebaut.

 

 

 


Die Wohnung von Jakob, Wilhelm und Lotte Grimm im nördlichen Torgebäude, 1814-22


 

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Lotte in ihrer Stube

(Aquarell von Ludwig Emil Grimm;

Grimm, Erinnerungen, Tafel VII)

 

 

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Blick aus der Stube der Brüder

(Aquarell von Ludwig Emil Grimm;

L. E. Grimm-Katalog, S. 147)

 

 

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Blick vom Altan der Grimmschen Wohnung nach Wilhelmshöhe

(Zeichnung von Ludwig Emil Grimm; Photographie nach unbekannter Vorlage, Stadtmuseum Kassel)

 

 

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Grundrißskizze Wilhelm Grimms, mit Eintragung der Wandfarbe:

A, B und D dunkelgrün,

C hellgelb,

E hellblau.

 

Aus einem Brief Wilhelms an Jakob, 5.5.1814.

„Geräumig ist es, wenigstens ist so viel Platz als im Alten, eher mehr und da jetzt überall Ord­nung ist, ist vieles gewonnen, z.B. eine Kammer habe ich blos für alte Bücher, Paquete, unser Hildebrandslied u.s.w. eingerichtet. Ich freue mich, wenn Dir alles gefällt [...]. A ist un­sere Stube, das schwarz Angestrichene sind die Bücher­schränke 1.2.3. die großen 4.5. die klei­nen, auf 5 steht der Göthe. Zwischen den Fenstern die Commode b und Spiegel, a. ist das Canape, ڤ sind Ofen. [...] In B sind 6.7.8. die Bücherschränke aus dem gelben Cabinet, 9. der große offene Schrank, der sonst hinten in der gelben Stube stand. In D schlafe ich, welches mit B. von einem Ofen soll geheizt werden können, +++ ist eine Gitterwand, die Thüren sind über­all bequem aus einer Stube in die andere. E ist eine große Saalähnliche Stube, die ich der Lotte gegeben, theils weil sie die Stadtaussicht gern hat, theils weil er uns zu weitläufig und un­bequem wäre. F ist ein dunkles Cämmerchen. C ist noch neutral, kann aber im Winter ge­heizt werden und zu uns gezogen. Es sind lauter Windöfen d.h. mit Röhren, wo das Feuer in der Stube muß angemacht werden, was seine gute und schlimme Seite hat. Außer Boden, dunk­lem Raum für Küchen­geräthe sind noch zwei Dachstübchen da, tapeziert und mit Ofen, sehr schön, so daß ich einmal Lust hatte, eins mit der schönsten Aussicht zur Arbeitsstube zu machen, wenn es sonst gegangen wäre. Nun hat die Lotte eins zum Schlafen, das andere die Magd inne [...].“

(Skizze und Zitat aus Hennig / Lauer, S. 199f.)

 

 

 

Die ursprüngliche Konzeption Jussows für die Platzrandbebauung

 

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Wilhelmshöher Platz 2

(Stadtmuseum Kassel, Neg.980.28)

 

 

 

 

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Entwurf für den Mittelteil der nördlichen Platzseite

(Zeichnung von H. Chr. Jussow;

Jussow-Katalog, S. 32)

 

 

 

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Ausführungsentwurf für das Eckhaus Königsstr.1

(Zeichnung von H. Chr. Jussow;
Jussow-Katalog, S. 219)

 

 


Symmetrieachse des Platzes ist die Königsstraße; an Süd- und Nordseite waren zwei dreiteilige Baublöcke geplant; davon nur das Haus Wilhelmshöher Platz 2 und der Mittelteil der gegenüberliegenden Seite (in veränderter Form) ausgeführt. Die Eckhäuser an der Königsstraße waren bereits um 1804–06 errichtet worden und folgten noch keinem einheitlichen Konzept.

 

 

Rekonstruktion

 

Rekonstruktionsskizze der geplanten Nordseite (C. Presche)

(zur Vergrößerung bitte anklicken)

 

Beim Betreten der Stadt fällt der Blick auf den repräsentativen Mittelteil des südlichen Blockes; der gleichartige nördliche Häuserblock hätte die Symmetrie zur Platzachse hergestellt. Auf diese Weise hätte die Randbebauung den Besucher auf die Königsstraße hingeführt. Bauherren waren Kasseler Bürger:

Schmiedemeister Henrich und Nicolaus Kochendörffer (Wilhelmshöher Platz 2),

Maurermeister Friedrich Burkhard Seidler (angrenzendes Grundstück),

Bibliothekar und Hofrat Ludwig Völkel (Königsstraße 1),

Branntweinschenk Wilhelm Ritz (Mittelteil von Wilhelmshöher Platz 4).

Mit dem Ende des Kurstaates 1806 unterblieb das Bauprojekt von Seidler, Ritz verkaufte seine Baustelle.

 

 

 

Die Arnoldsche Tapetenfabrik

 

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Ansicht um 1900

(Stadtmuseum Kassel)

 

Dieses Gebäude vermittelt in seiner Dreiteiligkeit am besten einen Eindruck von der ursprünglichen Planung Jussows, wenn auch die Gestaltung leicht davon abweicht und die hohe Attika über dem Mittelteil fehlt.

 

-        Der Mittelteil war noch 1805 vom Branntweinschenk Ritz begonnen worden, der die Baustelle 1806 aber an den damaligen westphälischen Kriegsminister Joseph Morio verkaufte.

-        Von Morio kam das Gebäude in Staatsbesitz und wurde um die Seitenteile erweitert (ehemals mit Balkonen); es diente folgenden Persönlichkeiten als Wohnung:

-        Erster Almosenier Karl Friedrich Freiherr von Wendt, Bischof von Hildesheim,

-        Großalmosenier Ferdinand Freiherr von Lüninck, Fürstbischof von Corvey,

-        Flügeladjutant König Jérômes, Danloup Vedun,

-        Kammerherr Baron Marinville,

-        Graf von Oberg,

-        Staatsauditeur Baron von dem Busche.

-        Nach dem Ende des Königreichs Westphalen 1813 vom Kurfürsten in Erbleihe an den Tapetenfabrikanten Johann Christian Arnold vergeben (1758–1842; 1789 erste Papiertapetenfabrik Deutschlands, zuerst in der Wildemannsgasse).

-        EG und Nebengebäude: Wohnung der Arnolds und Fabrik,

-        OG: vermietet; das 1. OG ab 1855/56 an den früheren Oberhofmarschall Wilhelm Otto von der Malsburg und seine Frau Caroline, die nach dem Tod ihres Mannes 1857 die Wohnung bis zu ihrem Lebensende 1863 bewohnte.

In dieser Zeit war das Gebäude ein bedeutender Treffpunkt für Künstler:

-        Carl Heinrich Arnold (1793–1874) war zugleich ein begabter Maler (Schüler des Pariser Malers Louis David) und förderte junge Talente, u.a. Adolph (von) Menzel (1815–1905) der u.a. in diesem Haus 1847 in monatelanger Arbeit den Kasseler Karton (Huldigung Heinrichs I. 1248; 3,2m * 5,3m) zeichnete.

Weitere Gäste waren:

-        Karl Friedrich Schinkel (Architekt, Berlin; 1781–1841),

-        Daniel Engelhard (Architekt, Kassel; 1788–1856; Vorbild des Architekten in Goethes „Wahl­verwandtschaften“),

-        Christian Daniel Rauch (Bildhauer, Berlin; 1777–1857),

-        Werner Henschel (Bildhauer, Kassel; 1782–1850),

-        Robert Wilhelm Bunsen (Chemiker, 1811–1899; 1836–1839 in Kassel).

Auch Kammermusikabende mit dem bedeutenden Kasseler Hofkapellmeister Louis Spohr (1784–1859; ab 1831 in Kassel) fanden hier statt.

-        Wilhelm Otto und Caroline von der Malsburg förderten Spohr tatkräftig. Wöchentlich luden sie zu Kammermusikabenden ein; in der früheren Dienstwohnung (Königsstraße 45) hatten sie u.a. Felix Mendelssohn-Bartholdy und Franz Liszt zu Gast. Ständige Gäste waren u.a. die Kasseler Maler

-        Ludwig Emil Grimm (1790–1863),

-        August von der Embde (1780–1862),

-        Ludwig Sigismund Ruhl (1794–1887),

-        Carl Glinzer (1802–1878).

 


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Streichquartett im Hause Spohr (in der Mitte sitzend; Skizze von Carl Heinrich Arnold)

(Homburg, S. 114)

 

-        1851 ging das Gebäude in den Besitz der Familie Arnold über.

-        1883 wurde die Tapetenfabrik geschlossen.

-        Ab 1926 Sitz der Tageszeitung Kasseler Post, die 1969 in der Hessischen  Allgemeinen aufging. Nachfolgend Erweiterungen an der Friedrichsstraße (Mittelteil neu, Südostflügel aufgestockt).

-        Im Zweiten Weltkrieg gegen Kriegsende schwer beschädigt (Dach, Inneres, der südwestliche Seitenteil jedoch erhalten), wurde das Gebäude anschließend rekonstruiert (der Mittelteil wurde in den Obergeschossen neu errichtet); das moderne Dach beeinträchtigt leider die ursprüngliche Dreiteilung.

 

 

 

Friedrichsstraße 25

 

-        Errichtet um 1825/26, Wohnung des Theatermalers Georg Primavesi und des Malers Eduard Primavesi, Wohnung des Staatsministers Carl Friedrich von Kopp.

-        Erhalten, lediglich das Zwerchhaus zerstört, im Inneren Treppenhaus und 2. OG in veränderter Weise erneuert; um 3 Achsen des Hauses Königsstraße 2 erweitert.

 

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Friedrichsstraße 25, Ende der 1930er Jahre

(Stadtmuseum Kassel, Pae3/62/41)

 

 

 

Königsstraße 2

 

-        Um 1804–1806 errichtet. Bauherr war Maurermeister Christian Schön.

-        1818 von Landgraf Friedrich, einem Bruder Kurfürst Wilhelms I., erworben, nach seinem Tod 1837 an seinen Sohn Wilhelm übergegangen.

-        Um 1851/52 verkauft, seitdem Privatbesitz. Wohnung des kurhessischen Mini­sters Ludwig Hassenpflug (1794–1862), Schwager der Brüder Grimm.

-        Ca. 1897/98–1899 durchgreifender Umbau (nach Kauf durch den Rentier Isaak); vom 1.7.1899 bis März 1905 war die Murhardsche Bibliothek im 1. OG untergebracht, ab 1900/01 führen die Adreßbücher im EG das Kaisercafé (Abb. unten), das nach 1918 Café Hessenland hieß.

-        Ab 1929 TaW (Theater am Wilhelms­höher Platz), Königsschänke und Nachtkabarett Perle. Hier traten u.a. Otto Reutter und Joachim Ringelnatz auf; auf dem nächtlichen Rückweg zum Hotel Schirmer dichtete Ringelnatz über „die Karpfen in der Wilhelmsstraße 15“ (Feinkostgeschäft Klippert).

-        In den letzten Kriegstagen 1945 zerstört (8. März).

-        1953 Neubau Hotel Hessenland, durch den Architekten Paul Bode.

 

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Das Kaisercafé

(Ansichtskarte)

 

 

Koenigsstrasse

 

Blick in die Königsstraße, um / kurz nach 1892;

bis zur Fünffensterstraße stehen links die Häuser 1–5, rechts 2–6, dahinter der Messplatz mit Messhaus

(Ansichtskarte)

 

 

 

Königsstraße 4

 

-        Um 1804/05 errichtet; 1809–1813 Besitz des Bankiers Jordis-Brentano, löste W. P. Nr. 5 als Romantikertreffpunkt ab.

-        Danach Eigentum Christoph von Rommels, Direktor des Haus- und Staatsarchivs und der Landesbibliothek, Historiker (1781–1859).

-        Zeitweise dort die Wohnungen des Hofbaumeisters Johann Conrad Bromeis (1788–1855; u.a. Residenzpalais, Umbau des Ballhauses) und des Malers Wilhelm Nahl; im 20. Jh. Café Däche.

-        Aufgestockt (ehemals wie Königsstraße 2, an der Rückseite sind noch die alte Traufhöhe und das Zwerchhaus erkennbar), nach Kriegsschäden (gegen Kriegsende, Dach und Inneres) wiederhergestellt.

 

 

 

Königsstraße 1

 

-        Errichtet 1805 für den Bibliothekar und Hofrat Ludwig Völkel, nach Plänen Jussows.

-        In der westphälischen Zeit Generaldirektion des Staatsschatzes bzw. Hohe Polizei.

-        Nach 1814 von der Künstlerfamilie Ruhl erworben; Wohnhaus des Bildhauers Johann Christian Ruhl (1764–1842), des Architekten Julius Eugen Ruhl (1796–1871; u.a. Ständehaus) und des Malers und Akademie­direktors Ludwig Sigismund Ruhl (1794–1887).

-        In diesem Haus befand sich bis 1866 auch die Wohnung des österreichischen Gesandten.

-        Offenbar in den letzten Kriegstagen Dach und Inneres zerstört, die erhaltenen Mauern danach abgebrochen.


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Blick auf die Ecke Friedrichsstraße / Obere Königsstraße

(Stadtarchiv Kassel)

 

 

 

Das Fürstenhaus

 

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Das Fürstenhaus vor 1928

(Ansichtskarte)

 

Das sog. Fürstenhaus, Wilhelmshöher Platz 3, mit dem Nachbarhaus Wilhelmshöher Platz 2 und dem nördlichen Torgebäude vereinigt:

-        1808 vom westphäl. Staat durch Jussow an der Stelle zweier Grundstücke als Amortisationskasse errichtet.

-        Nach dem Ende der Fremdherrschaft diente der Gebäudekomplex zunächst 1813/14 als Palais der Kurfürstin Wilhelmine Caroline (das Landgrafenschloss an der Fulda 1811 abgebrannt), ab 1814 wurde er zur Aufnahme hoher Gäste bestimmt; 1817–1820 Wohnsitz der geisteskranken Herzogin Friderike von Anhalt-Bernburg, geb. Prinzessin von Hessen, ab 1820–1823 Palais des Prinzen Friedrich (später Mitregent und Kurfürst Friedrich Wilhelm I.), außerdem Palais dessen Schwester Carolina (1799–1854).

-        Dabei gibt es zahlreiche Verbindungen zu den Brüdern Grimm, die 1814–1822 im zugehörenden nördlichen Torgebäude wohnten: Bei der Kurfürstin war Henriette Zimmer Hofdame: die Tante der Brüder Grimm, die sie während ihrer Schul- und Studienzeit in Kassel und Marburg entscheidend unterstützt hatte. Das Torgebäude hatte mit dem Nachbarhaus W. P. 2 (vgl. oben) ein gemeinsames Treppenhaus, so dass die Brüder Grimm vermutlich auch den Eingang von W. P. 2 als Haustür nutzten. Prinz Friedrich erhielt in dem Palais ab 1820 einmal wöchentlich Privatunterricht durch Wilhelm Grimm, und die Brüder Grimm waren häufig bei Ludwig von Below und seiner Familie zu Gast, der als Gouverneur des Kurprinzen (Wilhelm II.) in dem Gebäude wohnte.

-        In Nr. 2 war 1858–1870 die Oberbaudirektion untergebracht. Bereits ab 1851/52 Dienstwohnung des Oberhofbaumeisters Gottlob Engelhard (1812–1876; u.a. Hauptbahnhof), ab 1864 seines Nachfolgers Heinrich von Dehn-Rotfelser (1825–1885; u.a. Gemäldegalerie / heute Neue Galerie), bis ca. 1875/76.

-        Nach dem Deutschen Krieg und der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 Sitz des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau (ab 1870).

-        Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, danach abgebrochen; Neubau des Hess. Verwaltungsgerichtshofes.

 

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Das Fürstenhaus nach 1928

(Stadtarchiv Kassel)

 

 

 

Kandelaber und Einigungsdenkmal

 

Als der Baumring um den Platz immer dichter wurde, erfolgte um 1877 zunächst die Aufstellung eines großen Kandelabers vor einer halbrunden Pergola, als Blickpunkt der Königsstraße.

 


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Blick durch die Königsstraße 1891;

im Hintergrund überragt das neue Gebäude des Wilhelmsgymnasiums in der Humboldtstraße (1886) das ehem. Koppsche Haus

(Köttelwesch, S. 56f.;

vgl. https://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/02008090547810/1/)

 

 

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Das Einigungsdenkmal um 1900

(Ansichtskarte)

 

1892 Stiftung der Brüder Heinrich und Johannes Wimmel an die Stadt Kassel, u.a. für Wohnungsbau, wohltätige Zwecke und die Verschönerung von Plätzen.

 

1898 Enthüllung des Einigungsdenkmals:

-        Bildhauer: Karl Begas (1845–1916), Professor an der Kasseler Kunst­akademie (1890–1898) Bruder des Ber­liner Bildhauers Reinhold Begas.

-        3 Medaillons: In der Mitte Kaiser Wilhelm I., an den Seiten Bismarck und Moltke.

-        Skulpturengruppe: Clio, im Buch der Geschichte blätternd, daneben ein Genius, der das Medaillon des Kaisers bekränzt.

Kandelaber und Pergola wurden zum Louisenplatz versetzt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Bronzeteile 1942 abgenommen und eingeschmolzen.

1964 Beschluss der Stadtverordneten, an dieser Stelle ein Denkmal für die Brüder Grimm in Form eines Terrassenbrunnens aufzustellen.

1965 Versetzung des Einigungsdenkmals in den Fürstengarten, der Terrassenbrunnen allerdings nicht ausgeführt.

 

(Die Reliefs des Denkmals wurden nach Gipsabgüssen in der Mitte der 1980 Jahre nachgegossen.)

 

 

 

Das Hessische Landesmuseum

 

Der Architekt Theodor Fischer (1862–1938) gilt als einer der wegweisenden Architekten vom Anfang des 20. Jh. in Deutschland. 1893–1901 Stadtbaurat in München, 1901 und 1908–1928 an der TH München, 1901–1908 an der TH Stuttgart; v.a. dort bildete er zahlreiche bedeutende Architekten aus, u.a. Martin Elsässer und Bruno Taut, und war prägend für die Entwicklung der deutschen Baukunst vor dem Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik. Er betrachtete Architektur und Städtebau als Einheit und berücksichtigte stets die regionalen Bauformen. Über seine Lehrtätigkeit hinaus besaß er großen Einfluss durch zahlreiche Publikationen. Nach ihm ist ein Nachwuchsförderpreis des Zentralinstituts für Kunstgeschichte Deutschland benannt.

 

Der Bau des Landesmuseums:

-        1906 erste Verhandlungen zwischen Stadt und Staat über einen Museumsneubau; mit dem Neubau des Rat­hauses (1905–1909) zog das Stadtbauamt aus dem Gebäude aus; das Grundstück wurde dem Staat geschenkt.

-        1907 erste Entwürfe Theodor Fischers; Museumsdirektor Johannes Boehlau, der Fischer persönlich kannte, hatte ihn für das Projekt gewinnen können. Bis 1909 jedoch heftige Auseinandersetzungen mit dem Kasseler Stadtbaurat Paul Höpfner über die Position des Gebäudes: Höpfner wünscht eine frontale Ausrichtung auf die Obere Königsstraße, Fischer eine Parallelstellung zur Wilhelmshöher Allee.

-        1910 Baubeginn, 1913 Eröffnung.

 

Konzeption des Gebäudes:

-        Wirkungsvoller Abschluss der Königsstraße → Turm.

-        Überleitung zur Wilhelmshöher Allee → Schrägstellung des Gebäudes, das schon im Blick aus der Königsstraße deren Richtung angibt.

-     Den symmetrischen Torgebäuden, die den Platz einseitig beherrschen, wird die symmetrische, höhere Fassade des Landesmuseums gegenübergestellt.

-        Da das südl. Torgebäude im Blick von der Straße aus die Symmetrie der Museumsfassade stört, wird diese durch eine Allee wieder betont, die direkt senkrecht auf den Turm zuführt. Allee und Vorplatz sind geschickt in die Ringstraße des Platzes eingefügt, die die Randbebauung erschließt.

[Stand 2005:] ↔ In den offiziellen Museumsplanungen wird diese Allee aufgegeben; der geplante Verbindungsbau zur Torwache hebt die Symmetrie der Museumsfassade auf. [Stand 2018: Inzwischen ist nach 2011 eine denkmalgerechte Sanierung von Museumsgebäude und Vorplatz erfolgt, unter Erhaltung der Allee und des Vorplatzes – ausdrücklich aufgrund des breiten bürgerschaftlichen Engagements aus Kassel.]

-        Schrägstellung zur Königsstraße, zugleich Höhen- und Breitenstaffelung der Bauteile. Die beherrschende Stellung am Platz wird dadurch unterstrichen, sowie durch den hohen Travertinsockel, der nach hinten z.T. im Gelände verschwindet. Zugleich verdecken die bereits bestehenden Bäume der Platzfläche das schräggestellte Museumsgebäude zu einem großen Teil, geben aber in der Mitte (breiterer Abstand) den Blick auf den Turm frei, der als vertikal aufragender Endpunkt der Königsstraße umso stärker betont wird (als Gegensatz zu den Fluchtlinien der Straße, die in der Perspektive hier zusammenlaufend).

↔ Die Wirkung des Museumsgebäudes hinter der Platzbepflanzung war damit genau das Gegenteil der heutigen Situation: Ursprünglich wurde die Platzseite im Blickfeld der Königsstraße somit zunächst von den Bäumen geschlossen, hinter denen erst das schrägstehende Landesmuseum aufragte; Sockel und Dach waren sichtbar, der Blick auf den Turm fokussiert, und das ganze Gebäude trat erst beim Gang durch die axial zuführende Allee in Erscheinung. Heute ist der Blick auf den Turmeingang und den Gebäudesockel durch die Gehölze versperrt, dafür aber ist das gesamte Gebäude darüber zu sehen, die Fokussierung auf den Turm aufgehoben.

-        Bewusste Führung des Besuchers und Kontrast innen – außen: Der Haupteingang wird durch Turm, Freitreppe und offene Halle betont. Im Gegensatz zum massiven, geschlossenen Äußeren wird die Hauptachse im Inneren durch zahlreiche Durchblicke hervorgehoben.

-        Dunkle Turmhalle → helle, breite, aber niedrige Eingangshalle → enger dunkler Durchgang im Treppenhaus → Antikensaal: groß, hoch, gleichmäßiges hoch einfallendes Seitenlicht, das inhaltliche und räumliche Zentrum des Gebäudes. Von hier aus in der Längsachse Durchblicke in das OG:

Ehrensaal im Turm – Treppenhaus – Antikensaal – OG des rückwärtigen Flügels (diese letzten Öffnungen seit 1936 geschlossen, die Gitter im Magazin).

 [Stand 2005:] ↔ In den offiziellen Planungen: seitliche Öffnungen des Sockels an der Hauptfassade für neue Eingänge; dadurch veränderte Erschließung, Aufbrechen der massiven Wirkung des Sockels. Im Inneren durch eine Überdachung der Höfe Gefahr einer weiteren Konkurrenz für die Hauptachse. Hier ist sehr genau darauf zu achten, wie die Planungen erfolgen.

[Stand 2018: Inzwischen ist nach 2011 eine denkmalgerechte Sanierung des Museumsgebäudes durch das Büro HG Merz erfolgt, die 2016 abgeschlossen wurde und der historischen Konzeption des Gebäudes Rechnung trägt – ausdrücklich aufgrund des breiten bürgerschaftlichen Engagements aus Kassel für das Gebäude. Die Durchblicke zwischen Antikensaal und 1. OG sind wiederhergestellt worden.]

 

 

 

 

 

Quellen, Literatur (und Bildnachweis):

 

Adressbücher der Stadt Kassel.

Landgräflich Hessen-Casselische Staats- und Adresskalender; Kur-Hessische Staats- und Adresskalender.

Casselische Policey- und Commerzien-Zeitung

von Buttlar, Adrian: Leo Klenze. Leben – Werk- Vision, München 1999.

Dörr, Cornelia: „Eine schöne Vereinigung der Meriten Krähwinkels mit den Prätenssionen von wenigstens Berlin“. Adolf Menzel in Hessen (Diss.), Marburg 1997.

Ehrhardt, Holger / Friemel, Berthold (Hg.): Wilhelm Grimms Gedankbuch. Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1820–1822, in: Brüder-Grimm-Gedenken 2012, S. 1–108.

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